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DIETMAR MORITZ

HEIMATMENSCH

Musik und Menschen, Humor und Heimat: Dietmar Moritz weiß sich zu beschäftigen.

 

Bei aller Bühnenerfahrung ist Dietmar Moritz bescheiden. Über die Frage, ob er uns als „Heimatmensch“ aus seinem Leben erzählt, muss er erst einmal nachdenken: Der Steinhagener will sich nicht in den Vordergrund drängen. Wir sind froh, dass wir ihn überzeugen konnten – denn zwischen Heimatliedern und ehrenamtlichem Engagement hat der 76-Jährige viel erlebt.

 

Fast 50 Jahre lang hat Dietmar Moritz als Kommunalbeamter bei der Stadt Bielefeld gearbeitet, zuletzt in der Betreuungsbehörde. „Gott sei Dank“ ist er „immer noch verheiratet“, und zwar glücklich, fasst er schmunzelnd zusammen. „Ganz bürgerlich“: Mit drei Kindern, vier Enkeln, Haushalt und Tennismatches in seiner Freizeit hat er in elf Jahren Ruhestand noch nie Langeweile gehabt. Neben seinem ehrenamtlichen Engagement für die AWO Steinhagen liegt das nicht zuletzt an seinen musikalischen Aktivitäten – und die lesen sich durchaus abenteuerlich.

 

Vor mehr als 40 Jahren gründete er gemeinsam mit vier Gleichgesinnten in Bielefeld die Blues-, Bluesrock- und Boogieband „Bluesbøcke“. Zweites musikalisches Standbein ist die Paderborner „MaryLow Bluesband“. Der Steinhagener singt und spielt Bass – und er schreibt als Dichter unter seinem Namen seine eigene Songlyrik. Ein Lied über den „Haller Willem“, die Eisenbahnstrecke von Bielefeld nach Osnabrück, das „Steinhägerlied“, ein „Heimat- und Liebeslied“ über den Teuto und viele mehr zeugen von Heimatverbundenheit. „Als Nachfahre von Heimatvertriebenen aus Ostpreußen würde ich ohne den Krieg heute vermutlich in ‚Masurien‘ in der Landwirtschaft arbeiten“, fasst Dietmar Moritz zusammen. Stattdessen ist er „im Herzen Ostwestfale“.

 

Doch es geht um weit mehr als „nur“ Heimat. Auch Themen wie Hoffnung, Liebe, Sehnsucht oder Menschen, die etwas zu verbergen haben („Teflonmensch“), kommen in seinen eigenen Songs zum Tragen. „Meine Ideen kann ich nicht steuern“, berichtet Moritz. „Aber alle meine Texte haben etwas mit mir selbst zu tun.“ Auch Sorgen oder Ärger verarbeitet er auf diese Weise – und mitunter Ideen seiner Frau. „Mein Lied über ‚Omma und Oppa‘ ist so entstanden. Meine Frau hat gesagt: ‚Du schreibst so viele Texte – dann kannst du auch mal etwas über unser Leben als Großeltern machen.‘“

 

Neben seinem bürgerlichen Namen ist der Musiker unter dem spannenden Künstlernamen „Reverend Evil Perfume“ bekannt. Wie es dazu kam? „So einen Namen gibt man sich nicht selbst, der wird einem verliehen“, gesteht er lachend. In diesem Fall durch seine Bandkollegen auf dem Weg zu einem Auftritt, gemeinsam in einer „fahrenden Blechdose“. „Ich benutzte seit ewigen Zeiten dasselbe Parfüm, und manchmal rutscht einem ja die Düse etwas aus. Da hat einer meiner Kollegen gesagt: ‚Mann, das ist ja ein Evil Perfume!‘ Und so hatte ich meinen Namen weg.“

 

Seit etwa einem Jahr ist Dietmar Moritz zudem um eine weitere musikalische Leidenschaft reicher: „Ich bearbeite mit meiner ergänzenden Songlyrik alte deutschsprachige Gedichte und lasse sie mit generativer Musik vertonen.“ Unter dem Namen „Poesie trifft Musik“ ist bereits ein Veranstaltungsformat angelaufen, in dem eine Lesung der Gedichte mit seinen Songs kombiniert wird: „Lesepartner können sich gerne noch melden.“ Dass er mit Leib und Seele Musiker ist, ist deutlich spürbar. Und mit seiner Zusammenfassung seiner musikalischen Errungenschaften beweist „Reverend Evil Perfume“ einmal mehr Bescheidenheit und Humor: „Wir konnten nichts, aber es hat Spaß gemacht!“