BENJAMIN SCHULZ
INTERVIEW
Als Wirtschaftsförderer der Gemeinde Steinhagen führt an Benjamin Schulz für Unternehmen, Start-ups und Gründende im Ort (fast) kein Weg vorbei – im positiven Sinne. Seit fast vier Jahren ist der Diplom-Kaufmann und gelernte Bankkaufmann für alle Belange der heimischen Wirtschaft die erste Anlaufstelle im Rathaus. Im Interview erzählt er von seinen Aufgaben und dem Weg in die Selbstständigkeit.
Herr Schulz, was genau machen Sie als Wirtschaftsförderer der Gemeinde Steinhagen?
Die Wirtschaftsförderung versteht sich als Bindeglied zwischen Wirtschaft und Kommunalverwaltung, ganz unabhängig von der Größe und Art des Unternehmens. Von der Unternehmensbetreuung, dem Immobilien- und Flächenmanagement sowie Existenzgründungs- und Finanzierungsberatungen bis hin zur Entwicklung und Durchführung von Netzwerktreffen und Workshops ist unser Angebot vielfältig – und immer kostenlos. Wir wollen gemeinsam Steinhagens Attraktivität als Wirtschaftsstandort weiter stärken, Arbeitsplätze schaffen und erhalten und die Ausbildung sowie Ansiedlung von Fachkräften fördern.
Stichwort Existenzgründungen: Welche außergewöhnlichen Gründungen gab es in ihrer bisherigen Zeit als Wirtschaftsförderer? Und waren sie erfolgreich?
Im Jahr 2025 wurden beispielsweise 201 Gewerbeanmeldungen vorgenommen, davon 94 im Haupterwerb und 107 im Nebenerwerb. Dem gegenüber standen 173 Gewerbeabmeldungen.
Insgesamt haben sich „meine“ allermeisten Vollerwerbsgründungen entwickelt und bestehen bis heute, was mich persönlich sehr freut. Besonders schön ist es auch, wenn etablierte Betriebe durch Nachfolgeregelungen weiter bestehen bleiben. Das ist zum Beispiel bei einer Podologie-Praxis, einem Garten- und Landschaftsbaubetrieb und einer Tischlerei gelungen. Eher seltene Branchen waren etwa eine mobile Sattlerin, ein mobiles Tonstudio oder eine Gründung im Bereich Livestreaming auf Gaming-Onlineplattformen.
Wer gründet heute (noch)? Bemerken Sie Veränderungen?
Es wird viel im Nebenerwerb gegründet. Oft gehen die Gründenden dann noch einer anderen Tätigkeit nach, mit der sie ihr Haupteinkommen generieren. Das nimmt häufig etwas Druck aus der Sache, und auch Kreditaufnahmen sind in diesen Fällen meistens nicht notwendig. Im Nebengewerbe werden beispielsweise oftmals Gebäudereinigung, Hausmeistertätigkeiten, Dienstleistungen rund um Haus und Garten oder Umzugshilfen angeboten.
Die Zahl der Vollgründungen hat 2025 sogar leicht zugenommen. Dabei handelte es sich um einen breiten Branchenmix: Besondere Trends waren nicht erkennbar.
Gibt es allgemeine Tipps, die Sie (fast) jedem Existenzgründer an die Hand geben?
Da mache ich gerne ein wenig Eigenmarketing! Ich kann grundsätzlich jedem empfehlen, schon vor der Gründung mit mir (kostenlos!) die Checkliste für Existenzgründungen durchzugehen. Dort wird zum Beispiel besprochen, wie und mit welcher Frist die Anmeldung beim Finanzamt erfolgen muss, was unter der Kleinunternehmerregelung zu verstehen ist, was bei der Buchführung zu beachten ist und ob es Fördermöglichkeiten gibt. Diese Checklisten sind drei Seiten lang und erfahrungsgemäß ergeben sich daraus immer einige Tipps.
Raten Sie auch mal ab, wenn Ihnen eine Idee oder die Voraussetzungen unpassend erscheinen?
Meine Aufgabe ist es, die Gründenden zu unterstützen, damit der Start so gut wie möglich vorbereitet ist. Wenn jemand allerdings beispielsweise Fehler in den Planzahlen eingebaut hat, die Markteinschätzung oder die Wettbewerbssituation zu positiv einstuft, dann gebe ich das selbstverständlich zu bedenken. Es ist schon einmal vorgekommen, dass ein Gründer berichtet hat, er habe fast schon Angst vor der Selbstständigkeit und der finanziellen Ungewissheit, die oftmals mit einer Vollerwerbsgründung einhergeht. In diesem Fall habe ich geraten, zunächst im Nebenerwerb zu gründen und die Entwicklung „entspannt“ abzuwarten. Ansonsten musste ich bisher noch nie von einer geplanten Gründung abraten.
Gab es Gründungen, bei denen Sie wünschten, Sie wären selbst auf die Idee gekommen?
Es gibt viele tolle Ideen und Konzepte. Aber nein: Auch wenn ich die Unternehmerschaft leidenschaftlich gerne betreue und berate, hatte ich bisher nicht den Wunsch nach der eigenen Selbstständigkeit.





