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UWE GEHRING

Ein Dorfladen als Gemeinschaftsprojekt: Uwe Gehring ist einer von 35 Ehrenamtlichen, die anpacken, wo andere nur reden.

Im „Dorf Laden Häger“ gibt es „für jede*n was“. Morgens ab 5:30 Uhr sind belegte Brötchen und Kaffee die Verkaufsschlager – für Bewohner des Wertheraner Ortsteils ebenso wie für Pendler auf dem Weg zur Arbeit. Darüber hinaus lassen weit mehr als 700 Artikel, von Obst und Gemüse über Molkereiprodukte bis hin zu Toilettenpapier, Bio- und regionalen Produkten, kaum Wünsche offen. Was daran so besonders ist? Der Dorf Laden Häger ist ein Musterbeispiel für gemeinschaftlichen Einsatz und ehrenamtliches Engagement.

Im Jahr 2009 schließt in dem kleinen Ort das letzte Lebensmittelgeschäft. „Schon 2010 gab es durch eine Untergruppe des Heimatvereins und die Stadt Werther Überlegungen, mit einem Dorfladen die Versorgung sicherzustellen“, erzählt Uwe Gehring, der sich als langjähriges Ratsmitglied und engagierter Hägeraner an den Planungen beteiligt. Der erste Vorstoß scheitert, unter anderem an den Kosten. Als 2015 ein neuer Versuch gestartet wird, ist der Sozialpädagoge wieder mit von der Partie.

Die Gruppe sieht sich Dorfläden in ganz Deutschland an, nimmt ein Beratungspaket in Anspruch, das aus einem „Vorreiter-Laden“ in Jülich-Barmen mit der Uni Duisburg entstanden ist, aktiviert die Bürgerschaft – ehrenamtlich und mit großer Resonanz. 2016 wird der Verein „Dorf Laden Häger“ gegründet, bis heute mit Uwe Gehring als Vorsitzendem. Im selben Jahr noch eröffnet der Laden. 2026 feiert er sein 10-jähriges Jubiläum und ist aus der Dorfgemeinschaft längst nicht mehr wegzudenken.

Hinter der Theke sowie hinter den Kulissen arbeiten heute zehn bezahlte Mitarbeitende zusammen mit den Ehrenamtlichen daran, dass der Laden läuft – jeden Tag, auch sonntags. „Wir haben nur 65 Quadratmeter Verkaufsfläche, aber steuerlich, in Sachen Lohnzahlungen etc. und bei den ‚Nebenaufgaben’ von der Buchführung bis hin zum Putzen müssen wir wie ein normaler Supermarkt wirtschaften“, fasst Uwe Gehring zusammen. Damit das funktioniert, ist „unwahrscheinlich viel ehrenamtliche Arbeit“ erforderlich. Die Hägeraner schaffen das, aber „mehr Ehrenamt geht immer, vor allem auch gern mehr jüngere Leute!“

Neben Produkten für den täglichen Bedarf gibt es hier auch Sachen, die man sonst nirgendwo bekommt: eigene Schnäpse und Lakritz, Öl, Tee, Gewürze und eine unübertroffen persönliche Atmosphäre. „Von älteren Mitbürgern bis hin zu Kindern, die Süßigkeiten kaufen, profitieren alle von den kurzen Wegen. Unsere Mitarbeitenden kennen die Kunden und ihre Wünsche. Und was wir nicht haben, wird gern bestellt – dank der mehrmals wöchentlichen Lieferungen sind wir da flexibel“, berichtet das Team. Damit punktet der Dorf Laden ebenso wie mit einem Präsentkorb-Service, dem „Dorfladen mobil“ auf Veranstaltungen und nicht zuletzt mit einem professionellen Gesamtauftritt, der unter ähnlichen Läden seinesgleichen sucht.

Vor allem aber versteht sich der Laden als Treffpunkt im Dorf. Im eigenen Café „Gute Stube“ gibt es Kaffee und Kuchen, gute Gespräche, Bastelaktionen, Lesungen und mehr. Auch mit dem Verkauf von Karten für weitere Veranstaltungen im Ort stellt das Team sicher, dass an seinem Laden buchstäblich kein Weg vorbeiführt. Ein echtes Gemeinschaftsprojekt also, von Hägeranern für Hägeraner. Und der Beweis, dass man zusammen viel erreichen kann.