DEINTEUTO
... AUF DEM ARTWALK
Immer samstags zwischen 11 und 16 Uhr öffnet die „Alte Lederfabrik“ in Halle (Westf.) ihre Türen sowie viele Ateliers und Galerien für den „ArtWalk“. Wir haben ihn für Euch „erwandert“.
„Kunst erleben. Künstlern begegnen“ lautet das Motto des „ArtWalks“, der samstags die auch in der Woche zugängliche „Flurgalerie“ des Kunst- und Kulturzentrums um ein besonderes Highlight erweitert. Dann nämlich öffnen viele ansässige Künstler ihre Ateliers und Galerien, lassen sich über die Schultern schauen und stehen für Gespräche zur Verfügung. Wer das ist, ist immer wieder eine kleine Überraschung. Und so lautet unser erstes Fazit schon vor Betreten des historischen Gebäudes: Wir müssen und wollen öfter vorbeischauen!
Vor der Eingangstür weisen kleine Schilder darauf hin, welche Künstler an diesem Tag in ihren Räumen in der „Alten Lederfabrik“ anzutreffen sind. Wir freuen uns über bekannte Namen, die uns vom letzten Besuch im Gedächtnis geblieben sind, und natürlich auf die „neuen“ Begegnungen. Die ersten Eindrücke nach dem Öffnen der Eingangstür sind der unnachahmliche industrielle Charme der Gemäuer, die gelassene Atmosphäre – und Vogelgezwitscher. Das kommt aus der Box, wird per Bewegungsmelder aktiviert und begleitet den Besucher auf seinem Weg durch die Flure der ehemaligen Fabrik. Ruhe, aber keine Stille: Für uns passt das optimal, um die Welt draußen zu vergessen und sich in seinem eigenen Tempo auf die rot markierte Route zu begeben.
Nach einem Zwischenstopp beim „Wine & Spirits“-Lagerverkauf – ja, auch diese Art von Genuss gehört zum Gesamtpaket der „Alten Lederfabrik“ – lassen wir uns endgültig von der allgegenwärtigen Kunst verzaubern. Wechselnde Werke der ansässigen Künstler säumen den Weg. Die Vielfalt der Kunstformen und Eindrücke ist geradezu überwältigend: Malerei, Fotografie, Skulpturen und experimentelle Kunstformen kreieren eine paradoxe Mischung aus Harmonie und Spannung. Manche Werke wirken düster, fast beklemmend. Andere sind farbenfroh, lebendig, hoffnungsvoll. Abstraktes trifft Gegenständliches. Skulpturen beeindrucken neben filigranen Zeichnungen. Das Ergebnis: Jeder Besucher verweilt an anderer Stelle, lässt sich von ganz unterschiedlichen Werken inspirieren und in ihren Bann ziehen.
Doch die besondere kreative Energie der „Alten Lederfabrik“ rührt nicht nur von der großen Vielfalt, die mit 9.000 Quadratmetern und rund 50 Ateliers, Galerien und mehr ihresgleichen sucht. Sie ist das Resultat einer einzigartigen Verschmelzung von Kunst und Industriegeschichte. Neben, über, hinter den ausgestellten Werken ziehen immer wieder riesige, nostalgisch anmutende Maschinen aus der Zeit der Lederproduktion die Blicke auf sich. Historische Sprossenfenster, nackte Ziegel, Feuerschutztüren, eine alte Stempeluhr, eine Glasvitrine mit Produkten der einstigen Lederherstellung: Kunst ist hier untrennbar verknüpft mit einer bewegten Vergangenheit. Verknüpft mit dem „echten Leben“ – gerade so, wie es ihr Anspruch ist.
Mit Sieghard Watzke stoßen wir auf einen Künstler, der die faszinierende Verbindung von Kunst und Industriegeschichte für uns als Besucher nur noch perfekter macht. Er zeigt uns nicht nur seine moderne, gegenstandslose Malerei, erklärt verschiedene Techniken und gibt Einblicke in die Entstehung von Ideen, Motivationen und Werken. Sieghard Watzke, über den wir noch ausführlicher berichten werden, weiß auch spannende Details zu den alten Maschinen und der Lederproduktion zu berichten.
Bei Metallbildhauer und Metallgestalter Christoph Kasper erleben wir einmal mehr, wie in der „Alten Lederfabrik“ ganze Räume zum „Gesamtkunstwerk“ werden. Licht und Schatten, Holz und Metall, dazu Fotografien, Malerei und mehr im Rahmen der „ART 64 Produzentengalerie“ gemeinsam mit weiteren Kunstschaffenden machen den Besuch zu einem Glanzpunkt. Je länger wir bleiben, desto mehr Details nehmen wir wahr. Auch dazu könnt Ihr Euch schon jetzt auf ausführlichere Informationen in einer der kommenden Ausgaben freuen.
Nach weiteren Begegnungen mit Kunst und Künstlern, die jeder für sich das Konzept der lebendigen Kunst Wirklichkeit werden lassen, endet unser heutiger „ArtWalk“ schließlich so, wie er begonnen hat: mit Begeisterung und Vorfreude. Denn wir werden wiederkommen!
Anekdote Frau Fehrenkötter:
Die „geheime“ Tür
Eine rote Markierung leitet unsere Besucher durch die „Alte Lederfabrik“, denn unsere Flure sind weitläufig und verwinkelt. So kam es, dass ich nach unzähligen Stunden in dem historischen Gebäude irgendwann noch eine Tür entdeckte, die mir nie aufgefallen war – und niemand wusste, was sich dahinter befand! Es war ein kleines Lager – so hatten wir „plötzlich“ einen Raum mehr.





