EINE ÄRA ENDET
MODEHAUS KOLCK SCHLIESST IM HERBST
Im Herbst wird das traditionsreiche Modehaus Kolck in Brackwede seine Türen schließen. Die Immobilie übernimmt der Lebensmittelkonzern Rewe, der in der Hauptstraße eine neue Filiale eröffnen möchte.
Die Nachricht sorgte nicht nur im Bielefelder Süden für großes Aufsehen. Seit Jahrzehnten ist das Modehaus für viele Menschen eine feste Adresse, ganze Generationen haben sich hier vollständig eingekleidet. Seit seiner Gründung im Jahr 1961 gilt das Geschäft im Zentrum Brackwedes als beliebter Anlaufpunkt für aktuelle Mode. Auf rund 2.500 Quadratmetern, verteilt auf drei Etagen, gab es Kleidung, Heimtextilien und Wäsche.
Nach Angaben der Inhaber bleibt das Geschäft noch bis zum Herbst geöffnet. Der 75-jährige Geschäftsführer Joachim Kruse, der das Traditionshaus 1998 gemeinsam mit seiner fünf Jahre jüngeren Frau Inge übernommen hatte, bestätigte, dass der Verkauf an die Rewe-Gruppe bereits im Februar abgeschlossen wurde. Der Konzern plant, das Gebäude umfassend umzubauen. Einzelheiten sind noch nicht bekannt.
Ein entscheidender Grund für den Verkauf seien laut Joachim Kruse die notwendigen Investitionen gewesen. Zwar genießt das Modehaus weit über Brackwede hinaus einen guten Ruf, doch die Auswirkungen der Corona-Pandemie, die jahrelange Stadtbahn-Baustelle vor der Tür sowie der anhaltende Trend zum Online-Handel hätten zu einem Rückgang der Kundschaft geführt. Letztlich sei der Schlussstrich daher eine rationale Entscheidung gewesen.
Bereits vor einigen Jahren hatte Rewe Interesse an dem Standort gezeigt. Dass nun tatsächlich ein Supermarkt dort entstehen soll, wird trotz des Bedauerns über die angekündigte Schließung des Modegeschäfts auch positiv bewertet. Bezirksbürgermeister Vincenzo Copertino bezeichnete das Aus des Modehauses als großen Verlust für Brackwede, betonte jedoch zugleich die Bedeutung eines Nahversorgers an dieser Stelle. Ähnlich äußerte sich Rainer Seifert von der Werbe- und Interessengemeinschaft (WIG) Brackwede: Das Modehaus Kolck habe eine große Ausstrahlung gehabt, die fehlen werde. Die Ansiedlung eines Rewe-Marktes sei aber ein Gewinn für den Stadtteil. Für eine mögliche längere Umbauphase brachte er eine Zwischennutzung ins Gespräch, etwa durch Pop-up-Stores oder Ausstellungen.





